Bedrohte Natur- und Kulturwunder
Hier solltet ihr schnell hinreisen, sonst gibt es die Reisziele nicht mehr
Es gibt ganz viele einzigartige Orte auf unserer Erde. Natürlich würden wir sie alle am liebsten irgendwann mal bereisen. Doch bei manchen dieser Reiseziele solltet ihr euch ein bisschen mit der Urlaubsplanung beeilen, denn sie sind ernsthaft vom Verfall bedroht. Ob wegen Klimawandel, kommerziellen Vorhaben oder politischen Unruhen, manche der faszinierendsten Fleckchen unserer Erde könnten schon bald nicht mehr da sein. Vom Erdboden verschwunden – im wahrsten Sinne des Wortes. Einige von ihnen gehören laut der UNESCO sogar zum wichtigsten kulturellen und natürlichen Erbe unserer Erde. Derzeit hat die UNESCO 34 Welterbe-Stätten auf ihrer Roten Liste, die dringend geschützt werden müssen.
Für euch heißt das: Möglichst schnell hinfahren, sonst sind sie vielleicht weg. Und bitte unbedingt vor Ort rücksichtsvoll verhalten und einen Beitrag zum Erhalt dieser Natur- und Kulturwunder leisten.
Wir stellen euch sieben der bedrohten Welterbe-Stätten vor.
Barrier Riff, Belize
Dass das Great Barrier Reef in Australien bedroht ist, ist allgemein bekannt. Das zweitgrößte Korallenriff der Erde und das größte der nördlichen Erdhalbkugel wird allerdings oft übersehen. Das Barrier Riff in Belize ist aber mindestens genauso beeindruckend und ebenso gefährdet. Es zieht sich von der mexikanischen Grenze im Norden bis fast zu Grenze von Guatemala im Süden. Es besteht aus 450 Sand- und Mangroveninseln und verschiedensten Riffarten (Atoll, Saumriff, Barriereriff) und zeugt auf einzigartige Weise von der evolutionären Entwicklung von Riffen. Das Riff ist Wohnraum für viele bedrohte Tierarten wie Meeresschildkröten, Manatees und amerikanische Meeres-Krokodile. Etwa 500 Fischarten teilen sich diesen einzigartigen Lebensraum mit Hunderten von Pflanzenspezies, Korallen, Schwämmen und Krustentieren.
Die Insellandschaft ist insbesondere durch die Abholzung der Mangrovenwälder, das Eindringen neuer Spezies und den Verkauf großer Teile der Nutzfläche bedroht.
Urlauber können in dieser traumhaften Umgebung den Tauch- oder Segelurlaub ihres Lebens verbringen. Dabei sollten sie sich aber unbedingt mit gesundem Menschenverstand an ein paar Grundregeln halten: nicht die Tiere stören, bloß keine Korallen abbrechen und möglichst keine Spuren hinterlassen.
Nationalpark Los Katjos, Kolumbien
Der gigantische, 72.000 Hektar große, Nationalpark liegt im Nordwesten des südamerikanischen Landes zwischen der Grenze zu Panama und dem Westufer des Río Atrato. Im Westen ragen die Berge der Serranía del Darién empor. Das Bild der einzigartigen Landschaft ist geprägt von Hügeln, Moorwäldern, feuchten Ebenen, tropischem Regenwald und zahlreichen Wasserfällen. Der schnellste Fluss der Welt, der Atrato, fließt durch das Gebiet und spült jede Sekunde 4.900 Kubikmeter Wasser in das Karibische Meer. Beeindruckend ist die biologische Artenvielfalt. Mehr als 450 Vogelarten, unter anderem der gefährdete Graukopf-Seeadler, und viele bedrohte Tierarten wie Riesen Ameisenbären und Tapire, sowie endemische Pflanzen (also Pflanzen, die nur dort vorkommen) sind hier Zuhause.
Das Gebiet leidet insbesondere unter illegaler Rodung von Edelhölzern, unerlaubtem Fischen und Jagen sowie weitflächiger Abholzung.
Urlauber können das Naturreservat entweder auf geführten Mehrtagestouren und individuell mit dem Mietauto erkunden. Wichtig dabei ist, dass ihr darauf achtet die Tiere mit euren Gefährten so wenig wie möglich zu stören und auf keinen Fall Müll zu hinterlassen.
Frühchristliche Ruinen von Abu Mena, Ägypten
Ägypten hat ohne Zweifel einiges an bedeutendem und einzigartigem Weltkulturerbe zu bieten. Einige der Kulturstätten sind, nachdem sie Jahrhunderte überstanden haben, durch den Eingriff der modernen Kultur bedroht. Die frühchristliche heilige Stadt Abu Mena liegt südlich von Alexandria. Sie wurde im 3. Jahrhundert nach Christus mit Kirche, Taufkapelle, Häusern und Werkstätten über der Grabstätte des Märtyrers Menas von Alexandria, dem bekanntesten Heiligen der westlichen und östlichen Welt, erbaut. Im 5. und 6. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit und wurde zur bedeutenden Pilgerstätte für Christen auf der ganzen Erde.
Mit der landwirtschaftlichen Erschließung des umliegenden Landes wurde der im trockenen Zustand feste Lehmboden immer weicher und konnte die Mauern nicht mehr stützen. Zahlreiche Zisternen und architektonische Strukturen brachen zusammen. Derzeit sind noch eindrucksvolle Ruinen erhalten, doch sie drohen komplett in sich zusammen zu fallen.
Für Ägyptenreisende lohnt sich auf alle Fälle ein Abstecher zur heiligen Pilgerstätte, auch wenn die Krypta des heiligen Menas aus Schutzgründen mittlerweile für die Öffentlichkeit geschlossen ist.
Wildschutzgebiet Manas, Indien
Am Fuße der Himalayas bietet das Grasland und die tropischen Wälder des Wildschutzgebietes eine spektakuläre Szenerie. Manas ist das vielfältigste indische Wildgebiet und beherbergt die zweitgrößte Tigerpopulation Indiens. Zahlreiche gefährdete Tierarten wie schwarze Panther, Zwergwildschweine, indische Nashörner und Elefanten, Leoparden, Nashornvögel, Flussdelphine und Wasserbüffel sind hier Zuhause. Schon 1928 wurde die Einzigartigkeit und Wichtigkeit des Gebietes für die natürliche Harmonie erkannt und Manas wurde zum Schutzgebiet erklärt.
Gefährdet ist dieses Paradies auf Erden seit 1992, als das militante Volk der Bodo aus Assam in das Gebiet einfiel und riesigen Schaden an der Pflanzen und Tierwelt anrichtete. Seitdem arbeiten die Regierung von Indien, die Staatsregierung von Assam und die Parkverantwortlichen an einem Rehabilitierungsprojekt, das aber nur langsam greift.
Für Touristen stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, das traumhafte Gebiet zu erkunden, entweder per Boot, Jeep oder sogar auf dem Rücken eines Elefanten. Da ihr verschiedene Optionen habt, könnt ihr euch das aussuchen, was am meisten im Einklang mit der Natur steht.
Regenwälder von Atsinanana, Madagaskar
Atsinanana umfasst ein Gebiet von sechs Nationalparks im Osten der Insel, das unersetzbar wichtig für das Aufrechterhalten des einzigartigen Ökosystems auf Madagaskar ist. Vor mehr als 60 Millionen Jahren wurde die jetzt viertgrößte Insel der Erde vom Festland getrennt, seither haben sich seine Tiere und Pflanzen in völliger Isolation weiterentwickelt. Kein Wunder also, dass hier zwischen 80 und 90 Prozent aller Lebewesen endemisch sind (also nur auf Madagaskar vorkommen). Hier gibt es fünf verschiedene Primatenfamilien, Lemure haben auf Madagaskar und ein paar kleinen Inseln in der Nähe ihr einziges Zuhause. Von den 123 Arten nicht fliegender Säugetiere die es in dem Gebiet gibt, gehören 72 zu den bedrohten Tierarten.
Eigentlich ist Atsinanana offiziell als Naturschutzgebiet anerkannt, doch es mangelt an einem organisierten Management und einer effektiven Kontrolle des Gebietes. So leiden die Regenwälder hauptsächlich unter illegaler Rodung und Jagd auf die vom Aussterben bedrohten Lemuren.
Das Naturschutzgebiet ist für Touristen öffentlich zugänglich und kann auf geführten Touren oder individuell entdeckt werden – naturverträglich.
Reisterrassen in den philippinischen Kordilleren, Philippinen
Seit nunmehr 2.000 Jahren schmiegen sich die rein von Menschenhand gemachten Reisfelder des Ifugao Stammes an die Konturen der Berge an. Die auch Banaue genannten Reisterrassen sind nur mit Mauern aus Stein und Schlamm gebaut und zeugen von einer einzigartigen Harmonie zwischen Mensch und Natur. Sie gehören zu den wenigen Monumenten in den Philippinen die frei von jeglichem kolonialen Einfluss sind. Die Berge sind hier höher, zwischen 700 und 1500 Meter über Meeresspiegel, und die Hänge steiler als bei anderen Terrassen, die faszinierende kulturell Landschaft wurde durch ein beeindruckendes strukturelles und hydraulisches Ingenieurwissen geschaffen.
Jahrhundertelang wurde die heilige Tradition der Bebauung von Generation zu Generation weitergegeben, dann wurde die offene Marktwirtschaft eingeführt und die Jugend interessierte sich mehr für vielversprechende Arbeitsplätze in den Städten. Die traditionellen Praktiken geraten immer mehr in Vergessenheit, außerdem setzen unkontrollierter Tourismus und die Erosion den Reisterrassen zu.
Für alle, die sich ihren Blick über die atemberaubende Kulturlandschaft schweifen lassen wollen (nicht in den Terrassen herumlaufen!), fahren von Manila aus täglich klimatisierte Busse direkt nach Banaue. Die Fahrt dauert etwa 9 Stunden, unterwegs und vor Ort gibt es zahlreiche Unterkünfte und Raststätten.
Historisches Zentrum und Hafen von Coro, Venezuela
Die Stadt ist das einzige übrig gebliebene Beispiel einer faszinierenden Fusion von lokalen Traditionen wie dem spanischen Mudéjar und holländischen architektonischen Techniken, die in der Kolonialzeit entstand. Santa Ana de Coro ist die einzige Stadt in Venezuela, gar in der gesamten Karibik, in der die irdenen Bauwerke der frühesten Jahre der spanischen Kolonisation überlebt haben. Die Stadt wurde 1527 gegründet und heute sind etwa 602 historische Gebäude übrig.
Piraten suchten regelmäßig die Stadt am Karibischen Meer heim. Außerdem wütete ein starker Zyklon im Jahr 1681, schwere Stürme in den Jahren 2004/05 richteten in der Stadt großen Schaden an, die historischen Bauten wurden vernachlässigt und die Stadt entwickelte sich völlig unkontrolliert. Insbesondere ein Plan für eine neue Uferpromenade bedroht das Weltkulturerbe der Stadt.
Die Stadt ist für Urlauber einfach zu erreichen und bietet einen lohnenswerten Abstecher auf jeder Venezuela-Reise. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Wanderdünen im nahegelegenen Médanos-Nationalpark.
Cheapflights Media Ltd
Juni 2011