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Die dreckigsten Festivals

Hier dürft ihr euch im Urlaub mal so richtig schmutzig machen

Wollt ihr, dass es in eurem Urlaub mal so richtig dreckig abgeht? Dann solltet ihr nicht auf einen Besuch im Amsterdamer Rotlichtviertel oder der Partymeile bauen, sondern lieber zu einem dieser Festivals fahren. Hier könnt ihr mal so richtig die Sau rauslassen, euch von Kopf bis Fuß einsauen und die Klamotten versauen. Und dabei lernt ihr auch noch etwas über einige der faszinierendsten historischen Traditionen unserer durchgeknallten Erdbevölkerung.

Boryeong Schlamm-Festival, Süd-Korea

Eigentlich war dieses Festival einst ein Werbegag, denn der Schlamm, der für den Matsch-Spaß im Westen Süd-Koreas bei Boryeong ausgebuddelt wird, wird hauptsächlich verwendet um weltweit vertriebene Kosmetik herzustellen. Um potentiellen Kunden zu ermöglichen, den heilsamen, mineralhaltigen Schlamm hautnah bis in die Poren erleben zu können, wurde das Schlamm Fest geschaffen. Mittlerweile zieht es jährlich Mitte Juli über 2 Millionen Besucher an den Daecheon Strand, um sich von Kopf bis Fuß einzuschlammen. Das eigens dafür errichtete Schlamm-Erlebnis-Land bietet die perfekte Gelegenheit, sich halbnackt mit Millionen Wildfremder im Schlamm zu rollen. Was könnt ihr euch besseres vorstellen?

Chinchilla Melonen Festival, Chinchilla, Australien

Von allen Essens-Schlacht-Festivals der Welt ist dieses Festival das kreativste. Anstatt sich einfach gegenseitig mit Melonen zu bewerfen (aus offensichtlichen Gründen), haben sich die Veranstalter einige lustige Spielchen einfallen lassen, bei denen ihr nach Herzenslust Melonen zermatschen und im Matsch herumtollen könnt. Chinchilla ist die Melonen-Hauptstadt Australiens und feiert dies alle zwei Jahre. Das nächste Festival findet zwischen dem 14. und 17. Februar 2013 statt. Wenn ihr schon immer mal Melonen-Ski, Melonen-Bunge, Kern-Weitspucken, Melonen-Schleudern und Ähnliches im Kreis von durchgeknallten Gleichgesinnten ausprobieren wolltet, seid ihr da genau richtig.

Holi, Indien

Farbenprächtig aber nicht minder ausgelassen geht es beim Holi zu. Dieses indische Frühlingsfest (Februar/März) wird hauptsächlich im Norden Indiens gefeiert. Am zweiten Tag des „Fest der Farben“ (fünf Tage nach Vollmond) werden alle Kasten und gesellschaftlichen Zwänge regelrecht verworfen, wenn die Festteilnehmer sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser bespritzen und gefärbtem Puder, dem Gulal, bestreuen. An diesem Tag liegen sich alle in den Armen und wünschen sich gegenseitig ein „Happy Holi“. Aber auf keinen Fall einfach einen Malkasten zu eurem Holiday mitbringen und einen eigenen Eimer voll Farbe anmischen! Denn das Fest ist nach wie vor streng seiner heiligen Traditionen treu, und die Farben werden meist vorher auf dem Altar geweiht.

Käse-Roll-Rennen, Coopers Hill, England

Dass die Briten ein bisschen spinnen wissen wir spätestens seit einem Ausflug von Asterix auf die Insel. Dass sie gerne trinken ist auch allgemein bekannt. Und dementsprechend hat sich das “Cheese Rolling Race“ am Coopers Hill in Gloucester, das immer im Mai stattfindet, entwickelt. Einst sollte mit dem heiligen Festakt das Land für eine gute Ernte gesegnet werden. Heutzutage dreht es sich bei der Veranstaltung eigentlich mehr darum, dass sich ein Haufen Betrunkener hinter Käse einen Berg hinab rollt. Egal, die Klamotten werden sicher schmutzig dabei, und lustig ist es bestimmt auch.

Michigan Mud Day, Westland, USA

Wer es so richtig schmutzig mag und Melonen als Nachtisch vorzieht, sollte zum Michigan Mud Day reisen. Anfang bis Mitte Juli verwandelt sich der Ort Westland im US-Bundesstaat Michigan in ein gigantisches Schlammbad. Kleine und große Ferkel und Freunde des Schlammcatchens können sich im braunen Brei aus 75.000 Liter Wasser und 180 Tonnen Erde suhlen. Wer eine ganz besondere Herausforderung sucht kann beim Schlamm-Limbo-Wettbewerb und Schlamm-Rennen, sowie am Rennen um den Titel der Schlamm-Königin oder des Königs teilnehmen. Letzteres ergibt sich von selbst, denn wer sich am meisten eingesaut hat, dem wird am Ende des Tages gehuldigt.

Sauberer Montag Mehl-Krieg, Galaxidi, Griechenland

Von dem Namen solltet ihr euch nicht täuschen lassen, denn an dem „Sauberen Montag“, dem ersten Tag der Fastenzeit der griechisch-orthodoxen Kirche, geht es in dem kleinen Dörfchen Galaxidi, etwa 200 Kilometer westlich von Athen, alles andere als sauber zu. Die Vorbereitungen sind enorm. Tagelang werden historische Gebäude mit Plastikplanen abgedeckt, die Bewohner färben eimerweise Mehl ein und staffieren sich mit Schutzbrillen und Overalls aus – dann kommt das Start-Kuhglocken-Klingeln und los geht’s. Es wird durch die Straßen zu griechischer Musik getanzt, gefeiert und sich nebenbei mit Hunderten Kilos Mehl beschmissen. Gut, dass wir keine ähnliche Aschermittwochs-Tradition haben….

 Schlacht der Orangen, Ivrea, Italien

Von einer mit voller Wucht abgefeuerten Orange getroffen zu werden ist wahrlich nicht angenehm. Deshalb raten wir nur den ganz Harten unter den Schmuddel-Touristen wirklich in die Schlacht zu ziehen. Abgesehen davon ist dieser besondere Teil des „Carnevale d’Ivrea”, also des Karnevals Ende Februar, sowieso eher etwas für‘s Auge, als auf‘s Auge. Die Schlacht ist vielmehr eine traditionsreiche Prozession, bei der ein Team (das arme Fußvolk ohne Schutz) das andere Team (gut gerüstetes und behelmtes Adels-Volk auf Wägen) mit den fruchtigen Wurfgeschossen bekämpft. Die Orangen sollen das geköpfte Haupt eines Herzogs symbolisieren – dann lieber doch mit Obst werfen.

Tomatina, Buñol, Spanien

Die Tomatina im beschaulichen Bergdörfchen Buñol, etwa 40 Kilometer westlich von Valencia, ist womöglich das hierzulande bekannteste Festival dieser Art. Immer Ende August wächst die Bevölkerung um ein Vierfaches an, da unzählige Touristen in den Ort pilgern, um an der weltgrößten Tomatenschlacht teilzunehmen. Ein Böllerschuss gibt das Startzeichen und die Meute bombardiert sich gegenseitig mit mehr als 100.000 Tonnen Tomaten. Dass das ziemlich schnell in eine einzige, große Schweinerei ausartet, ist klar. Und wenn die Teilnehmer und das Schlachtfeld danach von der Feuerwehr mit Wasserschläuchen abgespritzt werden, geht das kleine Bergdörfchen kurzzeitig in einem Meer aus Tomatensuppe unter.

Weinschlacht, La Rioja, Spanien

Wenn ihr schon Sorgen hattet, dass ihr die Tomatenflecken niemals aus den Kleidern bekommt, dann stellt euch das mal vor: ein Rotwein-Gefecht. Ja, tatsächlich. Im spanischen La Rioja wird der gute, teure, weltbekannte Rotwein nicht nur gepantscht sondern es wird auch in ihm geplantscht. Bei der “Batalla del Vino”, die immer am 29. Juni stattfindet, bespritzt sich die Menschenmasse so lange gegenseitig mit Rotwein – von dem der Ort scheinbar echt ein bisschen zu viel übrig hat – bis sich die Wein-Krieger in eine lila, klebrige und höchstwahrscheinlich auch sehr betrunkene Masse verwandelt haben.

 

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Juli 2011